Fernbeziehung: eine schlechte Idee oder eine Gelegenheit?

Es war einmal vor langer, langer Zeit, weit weg auf einer kleinen Insel in Thailand, ein deutscher Junge und ein finnisches Mädchen treffen sich. Sie verbringen etwas Zeit und verlieben sich. So beginnt eine dreieinhalbjährige Fernbeziehung, die gegen alle Widerstände glücklich zusammen gefunden hat. Ich werde unsere Geschichte teilen: wie ich und mein Freund eine lange Distanz für eine so lange Zeit durchgemacht haben. Ich hoffe jemand der mit diesem Thema kämpft, findet meine Geschichte ermutigend.

Stuttgart – Helsinki / 2000km / ½ Jahr

So verbrachten wir vier Tage zusammen in Thailand: im Meer schwimmen, in Wasserfällen in der Mitte des Dschungels baden und beim Sonnenuntergang an Cocktails nippen … Der Urlaub musste irgendwann enden, und wir beide wussten es; Wir wussten, dass ich meine Reise nach Indien fortsetzen würde und er würde nach Deutschland zurückreisen. Wir hielten Kontakt, Skyped und schrieben lange Nachrichten zueinander. Zwei Wochen nachdem ich von meiner Reise nach Hause gekommen bin, haben wir uns entschlossen uns wieder zu treffen, und das hat das Leben verändert.

Das erste Wochenende zusammen entschieden wir uns, dass wir einer Fernbeziehung eine Chance geben würden. Wir haben einen Pakt geschlossen uns jedes zweite Wochenende zu treffen  – keine Ausnahmen. Jedes Paar kann seine eigenen Regeln machen und wir fanden das für uns am passendsten. Zu wissen, wenn wir uns nächstes Mal sehen werden, wenn wir uns am Flughafen verabschieden, ist sehr beruhigend. Es ist nicht „ich hoffe, wir werden uns bald sehen“, sondern „wir sehen uns wieder in 12 Tagen“. Meiner Meinung nach hat das unsere Beziehung zusammengehalten.

Die ersten sechs Monate verliefen schnell – mit einem sehr kleinen Schlaf und sehr großen Ausgaben. Wir hatten nur an den Wochenenden Zeit, so dass die einzige Möglichkeit war am Freitagabend hinfliegen und am Sonntagnachmittag zurückgehen. Es gab keine direkten Flüge, so dass die Reise dauerte bis zu 6 Stunden pro Strecke, und für diese eineinhalb Tage zahlten wir etwa 300-400 €, also 600-800 € pro Monat. Es war anstrengend und keiner von uns hatte noch nie so hart für eine Beziehung arbeiten müssen. Manchmal traten die Sorgen ein, ob es alles wirklich wert ist. Diese Gedanken gingen schnell weg, als wir uns wieder trafen.

Stuttgart – Kopenhagen / 1000km / 2½ Jahre

Nach diesen sechs Monaten habe ich beschlossen, meine Karriere zu ändern und wieder von vorne anzufangen. Ich bin nach Kopenhagen gezogen und habe dort angefangen zu studieren. Dies verkürzte unsere Distanz um die Hälfte und ließ nur 1000km zwischen uns. Das war persönlich für mich noch härtere Zeit, als der Anfang, seit ich wieder in ein neues Land gezogen bin und dort niemand kannte. Die Balance zwischen Dänemark, Finnland und Deutschland erwies sich als anstrengend. Ich hatte Glück, dass ich neue Freunde kennen lernte, die mich unterstützten, und einen Job, in dem ich die Flexibilität hatte, etwas Zeit für mein Reisen zurück und vorwärts zu nehmen.

Nachdem ich mich an mein Leben in Kopenhagen gewöhnt hatte, begannen wir bald, über den nächsten Schritt nachzudenken, und was für unsere Beziehung sinnvoll wäre. Wir kamen zu dem Schluss, dass ich in Deutschland ein Austauschsemester machen würde, um die deutsche Sprache zu lernen und nach Stuttgart zu gehen, sobald meine Studien es erlauben. Es war einfacher für mich, die Änderungen vorzunehmen, da ich schon ins Ausland gezogen war, Deutsch wäre leichter zu lernen als finnisch und meine Gesamtsituation war flexibler für Veränderungen. Diese Entscheidung war schwer, denn ich war gerade in Kopenhagen angekommen.

So habe ich gelernt, dass eine Fernbeziehung nicht ohne Opfer kommt, und wahrscheinlich muss sie nur einer durchführen, es sei denn, man zieht in ein Drittland und beide haben die gleiche Situation dort. Ich spiele manchmal mit der Vorstellung, wie es geworden wäre, wenn wir uns zusammen umgezogen wären. Es würde sicherlich auch neue Herausforderungen mit sich bringen, aber dann wäre die Situation gleicher gewesen. Am Anfang habe ich mir manchmal gedacht, ist das nicht ein bisschen unfair, dass ich diejenige bin, die eine Sprache lernt, alles hinter sich lässt und sich in eine neue Kultur integrieren muss? Das bringt einen aber nirgendwo hin. Man muss nur denken, dass beide diese Entscheidung getroffen haben – niemand hat den anderen dazu gezwungen. Zweitens muss man all die tollen Sachen im Auge behalten, die man durch das Leben im Ausland erleben kann.

Stuttgart – Detmold / 500km / ½ Jahr

So folgte ich unserem Plan und zog ein halbes Jahr in den Norden Deutschlands, um die Sprache zu lernen. Es war aber lächerlich, dass wir nun endlich im selben Land waren, nachdem wir zwei Jahre in getrennten Ländern gelebt hatten, aber auf der anderen Seiten des Landes! Meine Universität hatte im Süden keine Austauschprogramme, also hatten wir noch 500km zwischen uns und mit einem Zug dauert es die gleiche Zeit wie das Fliegen in der Entfernung von 2000km. Was uns weitermachen ließ, war zu wissen, dass wir im Grunde das genaue Datum wussten, wenn das alles zu Ende geht und wir unser Leben in Stuttgart beginnen werden.

Gegen Ende kam ein weiteres irritierendes Thema: die Zweifel anderer Menschen. Wenn du müde bist und alles, was du hörst, ist „was passiert, wenn ihr endlich zusammenkommt und dann merkt ihr, dass ihr euch überhaupt nicht kennt?“, fühlst du dich nicht wirklich motiviert weiterzumachen. Der „einander kennenlernen“ -Teil ist schmerzhaft zu hören. Was ist ein besserer Weg, um sich kennen zu lernen, als durch solche Kämpfe zu gehen?

Letztendlich haben wir die Zweifler besiegt, und seit etwa anderthalb Jahren sind wir wirklich zusammen: das gleiche Land, die gleiche Stadt, das gleiche Zuhause. Das Leben zusammen ist ausgeglichen und glücklich jetzt in Stuttgart, nach einer Fernbeziehung über dreieinhalb Jahren. Ich bin mir sicher, dass viele Paare noch längere Distanzen und Zeiträume erlebt haben, aber egal wie lange oder kurz es ist, es ist nicht einfach. Für die Zweifler: Fernbeziehungen haben eine Chance auf Erfolg! Für diejenigen, die in einer kämpfen: Ziele festlegen, über Ihr Reisebudget nachdenken, sprachliche Fragen lösen und überlegen wer flexibler ist. Ihr könnt es schaffen!

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